Schlechte Übersetzungen

Ein Thema, das mich seit Längerem beschäftigt; schlechte Übersetzungen! Viele Leute fragen mich, warum ich Bücher auf Englisch lese oder Filme auf Englisch anschaue, obwohl meine Muttersprache Deutsch ist. Dafür gibt es gleich zwei Gründe: erstens mag ich Englisch und finde, es ist das beste Training, um sich eine fremde Sprache besser anzueignen. Und zweitens: ich mag es einfach den Text in der Originalsprache zu lesen, in der er geschrieben wurde. Ein Buch von einem deutschen Autor lese ich daher vorzugsweise auch auf Deutsch. Der Grund dafür dürfte wohl jedem bereits von der Überschrift her klar sein. Schlechte Übersetzungen, vor allem aus dem Englischen ins Deutsche, gibt es einfach viel zu viele. Nicht nur das feststehende Begriffe teilweise wortwörtlich übersetzt werden, nein, sogar das Sprachlevel wird verändert; ein Satz, der im Englisch noch als normale Alltagssprache durchgeht, wird so übersetzt, dass er im Deutschen einen  man könnte fast schon sagen  vulgären Unterton bekommt. Ich bin in dieser Hinsicht nicht mal besonders kleinlich, es gibt Leute, die sich weitaus mehr darüber aufregen. Aber bei solch groben Fehlern kann man sich eigentlich nur fremdschämen. Dass diese Übersetzungen von professionellen Übersetzern stammen sollen, die dafür bezahlt werden, ist für mich nur schwer zu glauben. Natürlich kann ich mir vorstellen, dass eine Übersetzung möglichst schnell fertiggestellt werden soll, aber dies ist keinesfalls Grund dafür einfach eine „hinzuschludern“ oder in einen Internetübersetzer einzugeben. Eine Übersetzung macht Arbeit! Und man merkt, wenn sich jemand dabei Mühe gegeben hat oder nicht. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich mir bei jeder meiner Übersetzung Mühe gebe. Und ich würde auch niemals eine herausgeben, von der ich nicht hundertprozentig sicher bin, dass sie fehlerfrei ist. Wenn man in seine Muttersprache übersetzt, sollte man doch schon merken wenn Sätze holprig klingen, oder? Dann schaut man eben noch mal drüber oder lässt sich von jemandem helfen, das ist doch keine Schande.

Ich gebe zu, manchmal ist es wirklich schwer eine Sache zu übersetzen. Es ist immer schade, wenn beispielsweise ein Wortspiel durch eine Übersetzung verloren geht. Doch auch da kann man sich etwas einfallen lassen. Wenn ich übersetze, versuche ich den gleichen Sprachstil vom Autor beizubehalten und bisher habe ich es auch immer hinbekommen, Wortspiele und andere kleine Dinge auch im Deutschen lustig rüberzubringen. Ich bin aber auch kein allzu großer Fan davon Eigennamen „einzudeutschen“; Figurennamen sollten meiner Meinung nach so bleiben wie sie sind und auch bei Übertiteln macht eine Übersetzung auch nicht immer Sinn und vielleicht sollte man ab und an den englischen Titel beibehalten und lediglich einen deutschen Untertitel hinzufügen, das finde ich eine angebrachte Lösung.

Eine Anmerkung noch: ich habe in dem Artikel bewusst keine Beispiele genannt, da ich hier niemandem auf die Füße treten möchte oder behaupten will, dass einige deutsche Buchübersetzungen schlecht sind und ich vom Kauf abrate. Aber vielleicht (oder besser gesagt: bestimmt) kennt ihr selbst Beispiele. Wie ist eure Meinung darüber?

5 Gedanken zu „Schlechte Übersetzungen

  1. Justus sagt:

    Also ich finde das 95% der Deutschen Übersetzung in Ordnung sind…

    Mehr kann ich leider auch nicht dazu sagen nur das ich Deutsch viel angenehmer finde als Englisch (Kann teilweise Englisch bzw. genug um die Sprach zu verstehen

  2. Anonymus sagt:

    Dein Anliegen in Ehren, leider hältst Du selbst nicht Deine Standards ein. Deine Übersetzungen im Visual Novel Bereich könnten ein Quäntchen mehr Kommata vertragen.
    Als Beispiel gelte: http://vndb.org/v5506
    Ich weiß zwar nicht, ob in Hessen eine noch weitaus degeneriertere Form der Rechtschreibreform gelehrt wird, aber die wenigen Leseproben, die von Dir im Netz existieren, zeigen eindeutig ein Defizit deinerseits auf diesem Gebiet.
    Nebenbei ist auch die Übersetzung der Visual Novel Database Seite nicht besonders elegant; obwohl da nicht klar ist, welcher Teil von Dir stammt und welche Reste noch vom Erstübersetzer herrühren.

    Allem in allem ist Dein Anliegen rühmlich und ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deinem Wege. Doch messe Dich erst einmal selbst an Deine Standards, bevor Du – zwar zu Recht – Gift und Galle spuckst.
    Gedenke der alten Weisheit: si tacuisses, philosophus mansisses

    P.S. zu Justus: Die Realität ist leider, dass 95% der deutschen Übersetzungen eben NICHT in Ordnung sind, da hat Marcel definitiv recht.

  3. Marcel Weyers sagt:

    Vielen Dank für die Nachricht. Ich hoffe, Sie nehmen mir es nicht übel, wenn ich mich hier ein wenig verteidige. Meine Leseproben sind teilweise veraltet, ich habe mich seit damals – meiner Meinung nach – stark verbessert. Ich stimme Ihnen zu, dass sie sehr wohl Überarbeitung verdienen.

    Wenn das Ihre Meinung über meine Übersetzungen ist, werde ich definitiv noch einmal drüberschauen und gegebenenfalls nachbessern. Bisher habe ich nur positives Feedback zu meinen Übersetzungen bekommen und daher freut es mich, auch mal ehrliche Kritik zu hören. Das hilft mir ja auch, um zu sehen, wo ich mich verbessern kann/muss.

    Abschließend bleibt zu sagen, dass ich das alles allein mache. Es steckt kein „Profi“-Team dahinter. Ich finde, das ist – ohne mich in den Himmel loben zu wollen – für jemanden in meinem Alter schon eine Leistung. Weitaus peinlicher finde ich es, dass es „Profis“ nicht gelingt, fehlerfrei zu übersetzen.

    Ich hingegen bin sehr zuversichtlich, dass ich mich in der Zukunft und im Laufe meines Studiums noch verbessern werde.

  4. Bodenbach sagt:

    Sehr geehrter Herr Weyers,
    ich kann Sie nicht mehr über Ihre E-Mail-Adresse erreichen!. Nehmen Sie bitte mit mir bezüglich der Lesung am 27.4. Kontakt auf!
    Mit freundlichen Grüßen
    A. Bodenbach

  5. Kuddel sagt:

    Doch, die neuen Übersetzungen von Terry Pratchett sind schlecht. Da ist genau das passiert, was hier beschrieben wurde. Ganze Sätze fehlen, Wortspiele zünden nicht, der Wortwitz, der die alten Bücher (und Übersetzungen) ausmachte, ist verschwunden oder nur noch marginal erkennbar. Macht das Lesen der Bücher schwierig und stört nicht nur den Lesefluß, sondern nimmt einem auch den Spaß am Weiterlesen. Und für einen Pratchett ist es das Schlimmste, wenn das Buch entnervt zur Seite gelegt wird. Ich denke mal, das hat viel mit der „Geiz-ist-Geil-Menthalität“ der Verlage zu tun, denn die Bücher kommen dennoch zum vollen Preis mit schlechterem (weil billigeren) Cover auf den deutschen Markt. Der alte Übversetzer konnte den Witz und die Andersartigkeit dieser Welt gut rüberbringen, natürlich nicht zu vergleichen mit dem englischen Original, aber ich kann nur so lala englisch, also lese ich die dt. Version, und da war A.B. 1000 Mal besser als G.J., der entweder aus Unkenntnis, Verlagsdruck, Ignoranz oder Unvermögen extrem schlechte Übersetzungen abliefert.
    Wie gesagt, das ist mir bei diesem Autor aufgefallen, die Neuübersetzung z.B. von Der Herr der Ringe habe ich gar nicht erst gelesen, da mit die Urversion gefällt.

    Ich weiß jetzt nicht, ob an den miesen Übersetzungen nur der Übersetzer Schuld hat (weil qualitativ nicht gut) oder auch die Preisdrückerei und der allgemeine Druck der Verlage die Hauptschuld trägt. Vermutlich liegt die Wahrheit wie üblich in der Mitte.

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