Crowd Translation – Übersetzung zum Nulltarif?

Ein furchtbarer neuer Trend, der seit ein paar Jahren durchs Internet geistert, aber in letzter Zeit immer häufiger zu einem Problem wird: Crowd Translation. Die Idee ist augenscheinlich so einfach wie genial: Man nehme einen Haufen Amateure und lässt sie ein Videospiel übersetzen; völlig ohne Bezahlung. Jeder weiß ein bisschen was und so kommt am Ende eine wunderbar bunt gemischte Übersetzung heraus. In den Credits vom Spiel stehen dann stolz alle 40 Usernamen („loltranslatar“, „deinemudda“, „mietze44“) und alle freuen sich. So das Prinzip.

Spaß beiseite. In der Realität ist es so, dass bei solch einem Unterfangen nicht wirklich ein zufriedenstellendes Endergebnis herauskommt. Wie sagt man so schön: „Zu viele Köche verderben den Brei.“ Man kann hier den bei Übersetzern oft beliebten Vergleich zu einem Bäcker heranziehen: Klar, wenn jeder sein eigenes Mehl mitbringt, braucht man für die Brötchen nicht zu bezahlen. Super Idee! Wenn man am Ende mit dem zusammengewürfelten „Brei“ zufrieden ist – warum nicht?

Das Problem ist, dass sich viele Entwickler vorstellen, eine super Übersetzung zum Nulltarif zu bekommen. Warum jemanden bezahlen, wenn es andere für umsonst machen, nicht wahr? Es ist einfach eine Frage der Qualität: Ist mir eine akurate Übersetzung meines Werks wichtig oder reicht auch eine à la Google Translate?

Viele kommen jetzt vielleicht mit dem Argument: Wenn da so viele mitmachen, können doch nicht so viele Fehler drin sein. Und: Dann hole ich mir halt am Ende einen Korrekturleser. – Also ich bezweifle, dass bei solch einer Aktion professionelle Übersetzer mitmachen, sondern eben viele Laien, die glauben, sich mit der Materie auszukennen. Es wird nämlich nicht nur ein umfassendes Vokabelwissen in den Sprachen benötigt, man braucht auch kulturelle Kenntnisse, Metawissen über Sprachen, gegebenenfalls ein großes Literaturwissen wegen eventuellen Anspielungen und vor allem: Sprachgefühl.

Mir selbst passiert es immer häufiger, dass Entwickler mich fragen, warum sie mich bezahlen sollten, wo sie doch Angebote von Usern haben, die es kostenlos machen. Einmal ist mir sogar eine Übersetzung durch die Lappen gegangen, nachdem ein User in einem Forum dem Entwicklerteam geschrieben hat: „Echt? Ihr bezahlt für ne Übersetzung? Macht das doch über Crowdin, das kostet euch nichts und die Community übersetzt das Spiel gern für euch!“ Schade für mich, aber „schön“ für die Entwickler, die hier wohl eine Menge Geld gespart haben.

Sicherlich ist dieser neue Trend der Kostenlos-Gesellschaft nicht nur für mich ein Problem, sondern auch für viele andere Übersetzer. Und nur um das klarzustellen: Es geht hier nicht nur um kleine Indie-Studios, die bei ihrem allerersten Videospiel noch kein riesiges Budget vorweisen können. Ich habe erst gestern auf der Supportseite eines äußert beliebten Betriebssystems Folgendes gelesen: „Dieser Artikel wurde maschinell übersetzt und wird von Usern korrigiert.“ Das ist ein schlechter Scherz, oder? Hier spart der Multimillionen-Dollar-Konzern wohl an den falschen Ecken. Die Lösung zu meinem etwas komplexeren Problem habe ich auf dieser „deutschen“ Seite natürlich nicht entziffern können. 

Wer eine einheitliche, akurate und professionelle Übersetzung möchte, der muss eben dafür bezahlen. Wer allerindigs der Meinung ist, dass „jeder nebenbei auch bisschen übersetzen kann“, und wer Dumping-Preise unterstützen möchte, der greift bitte zu den ach so tollen Crowd Translation Plattformen. Eventuell kommt dabei aber so etwas raus:

Translation Fail 1 - bohrungen,lanzarote,Übersetzung,fail,translation,speisekarte,urlaub,restaurant

Quelle: http://www.lachschon.de/item/63539-TranslationFail1/

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